Mittwoch, 8. September 2010
wolken/bucht/wind
wellington ist an einer grossen bucht gelegen. nur ein kleiner streifen verbindet diesen riesigen see mit dem meer. doch trotzdem sieht man sofort, dass es sich um meer handelt und nicht um ein binnengewaesser.
wellington liegt auf der suedlichen seite der bucht auf einem wiederum kleinen streifen land, der die bucht vom meer trennt.
die letzten tage hatte ich einen couchsurfer in petone auf der noerdlichen seite der bucht, hatte somit einen tollen blick auf wellington.

wellington ist bekannt fuer sein windiges wetter. das bekam ich am montag auf beeindruckende weise zu spueren. meine host war frueh am morgen zur arbeit gegangen, so hatte ich ausgeschlafen als ich um elf uhr aus dem fenster sah, das es wohl bald anfangen wuerde zu regnen.
da ich immernoch einen spannenden roman von mankell hatte, richtete ich mich auf einen regentag auf der couch ein.
als es einige stunden spaeter immernoch nicht angefangen hatte zu regnen und sogar ein kleiner streifen blauer himmel zu sehen war beschloss ich es zu wagen petone zu fuss zu erkunden.
ich packte mich in alle erdenklichen pullover und jacken, die ich hatte, schluepfte in meine kopfhoerer und lief los.

als erstes beschloss ich das wasser zu sehen. nach zehn minuten fussweg erreichte ich die bucht.

in deutschland fand ich immer die atmosphaere interessant die aufkommt kurz bevor es zu regnen anfaengt. der wind weht durch die haare, ein undurchdringliches grau erstreckt sich ueber eine himmelsrichtung, waerend der himmel in einer anderen himmelsrichtung noch vom guten wetter zeugt. die farben die der himmel in diesem moment annimmt und der geruch von regen der in der luft liegt ist in deutschland ein seltenes kurzes schauspiel.

an diesem tag war dies der dauerzustand. verschiedenste wolkenbilder erstreckten sich ueber dem himmel, grauer nebel hing ueber den haengen der berge und ueber dem wasser. blauer himmel lies sich hier und da blicken und der starke wind mischte dieses schauspiel kraeftig auf.
doch das ganz besondere war die farbe des wassers. mal tuerkis, mal gruen, mal blau, hell gluehend als wuerden lichter auf dem grund leuchten. aber immernoch so unfassbar undurchdringlich wie das meer, nicht wellig und doch unruhig. eine flaeche, die ich so gerne beruehren wuerde und es mir doch nie vorstellen koennte.

ich stand etwa 40 minuten einfach nur da und sah wie der wind bilder auf die wasseroberflaeche malte und den sand ueber den strand wehen lies.

neuseeland hat viele schauspiel zu bieten. ich hoffe ihr koennt ein wenig daran teilhaben



dumbster diving
der moment an dem du vor der tuer eines neuen couchsurfers stehst ist ein besonderer. du weisst nicht was dich erwartet wenn du das haus betrittst. du weisst nur, dass du in eine neue welt eintauchen wirst, die du voher nicht erwartet hast, etwas neues, vielleicht spannendes, vielleicht schwieriges, auf jeden fall etwas unbekanntes.
immer wenn ich vor einer neuen tuer stehe habe ich einen kurzen moment des zweifels. der menschliche instikt, der einem vor unbekanntem warnt steckt auch in mir. obwohl ich von mir behaupte, dass ich mich in jedes abendteuer stuerze was mir ueber den weg laeuft habe ich doch noch dieses kurze zoegern in mir, bevor ich mich auf neue endeckungsreisen begebe.

auch gestern als ich vor diesem halb verfallenen haus stand zoegerte ich einen moment. ich hatte das profil von lou gelesen, hatte mit ihm ein paar worte am telefon gewechselt, ich wusste, dass er musiker ist, konnte aber ansonsten nicht schlau aus dem werden, was ich von ihm wusste. ich machte mich auf alles gefasst und betrat den vorgarten. ein junger lockiger mann stand vor der haustuer und stellte sich als james vor. er lies mich ins haus.

mein eindruck war gemuetlich, ich wurde nicht ueberschwaenglich aber freundlich begruesst aber ich hatte sofort das gefuehl an einem guten ort anzukommen. lou hat ein kleines gartenhaeuschen hinterm haus zu seinem zimmer umgebaut. ich sah, dass er seine freude mich zu sehen mit einer zurueckgehaltenen art zum ausdruck brachte. er ist einer von der art mensche, fuer die man ein wenig geduld braucht um sie zu verstehen. schritt fuer schritt naeherte er sich mir und fing an mich anzunehmen. die zeit des gemeinsamen musizierens soll noch kommen.

spaeter lernte ich auch marius und andre kennen, die zusammen aus lettland nach NZ gekommen waren um einen dokumentarfilm ueber underground-kultur in wellington zu drehen. was aus ihren vorstellungen und plaenen geworden ist werde ich noch herrausfinden.
james ist koch. einer der wenigen koeche, die ich getroffen habe, die sich nicht grossspurig ueber die arbeit in der kueche beschweren. er sagt, dass wenn du im richtigen zustand der konzentration bist du alles meistern kannst. ausserhalb der arbeit ist er sehr ruhig und ausgeglichen. ein angenehmer geselle.

nachdem ich einige zeit mit lou ueber musik und diverse andere gequatscht hatte, ging er um das auto seines vaters zu holen. wir hatten eine plan fuer den abend: dumbster diving.

mit lou und marius fuhren wir zehn minuten mit dem auto, bis wir vor dem hinterhof eines supermarktes parkten. lou sah verrueckt aus. er nannte es dumbster-diving-uniform. er hatte eine total verdreckte hose an, eine halb zerrissene jacke und ein band um seine langen haare gebunden in der eine taschenlampe steckte. heute war er der dumbster-diver und wir waren seine assistenten. der hinterhof war mit scheinwerfern hell beleuchtet und von stacheldraht und mauern umgeben. was wir nun vorhatten war illegal. mein job war es die katons mit essen ueber die mauer anzunehmen, und im auto zu verstauen. marius packte das essen was ihm lou aus dem kontainer reichte, in dem er wuehlte, in katons und reichte sie mir.
ich war erstaunt was alles aus diesem relativ kleinen kontainer kam. lou hatte gute arbeit geleistet und kein essbares gut mehr hinterlassen. am ende hatten wir fuenf kisten, randvoll mit klebrigen, stinkenden aber voll essbaren verpackten lebensmitteln.

zuhause kam dann der rest der mitbewohner zur hilfe. jedes teil wurde in der vollen badewanne geschrubbt und gereinigt, spaeter in kuehlschraenke und tiefkuehltruhen gepackt. der fang war gut, alle waren gluecklich ueber die beute. es waren mehrere liter milch, die einige tage vor dem verfallsdatum waren, mindestens zehn packungen tortelini, sieben packungen humus und eine ganze menge anderer lebensmittel. leider war diesesmal das meiste fertigware und eher wenig obst und gemuese. dennoch hatten wir fuer den rest des abends genug weintrauben, die einen tag spaeter wohl verfault waeren.

ausser fuer zucker und kaffee, oder spezielle andere dinge, geht die wg nie im supermarkt einkaufen und hat doch immer mehr als genug essen zu hause. falls ich kein geld fuer essen haben sollte, weiss ich jetzt wo ich immer ankommen kann und wo ich reich mit essen versorgt werde.

gut, dass ich durch diese tuer gegangen bin als ich gestern abend hier ankam. und ich weiss, dass noch viele andere tueren mit einer neuen geschichte auf mich warten. besser als jeder advendskalender.